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Disability Studies in Deutschland:
Behinderung neu denken!

vom 18. Juli - 1. August 2003 in Bremen

Dokumentation Stimmen zur Sommeruni

Übersicht

19.07.2003 - Interview mit Dr. Volker van der Locht
19.07.2003 - Dinah Radtke
19.07.2003 - Interview mit Hannes Messerschmid
19.07.2003 - Michael Eggert
19.07.2003 - Martina Puschke
20.07.2003 - Interview mit Viola Melzer
20.07.2003 - Georg Gabler
20.07.2003 - Interview mit Pandelis Chatzegeniou
20.07.2003 - Volker Hink
20.07.2003 - Thomas Schmidt
20.07.2003 - Brigitte Faber
20.07.2003 - Christa Schlett
21.07.2003 - Petra Groß
22.07.2003 - Interview mit Andrea Katemann
24.07.2003 - Interview mit Bettina Pinter
24.07.2003 - Interview mit Horst Frehe
25.07.2003 - Interview mit Ricarda Kluge
21.07.2003 - Dörthe Gregorschewski
21.07.2003 - Katharina Schröter
23.07.2003 - Interview mit Gerlef Gleiss
29.07.2003 - Interview mit Cassandra Rohm
30.07.2003 - Interview mit Katja Breitfuß
30.07.2003 - Interview mit Stefan Göthling
30.07.2003 - Interview mit Andreas Öchsner


19.07.2003 - Interview mit Dr. Volker van der Locht

Dr. Volker van der LochtOttmar Miles-Paul: Was erhoffen Sie sich von der Sommeruni?
Dr. Volker van der Locht: Ich erhoffe mir erst einmal, dass hier viele neue Ideen gesammelt werden und dass es uns einen Schritt nach vorne bringt.

Ottmar Miles-Paul: Welche Schritte würden Sie sich genau wünschen?
Dr. Volker van der Locht: Da bin ich mir jetzt noch nicht so sicher, weil ich denke, dass ganz verschiedene Leute kommen, die sicherlich in ganz unterschiedlichen Bereichen aktiv sind. Ich glaube, das die Sommeruni ist für viele Leute auch eine ganz neue Erfahrung. Ich würde das jetzt auch nicht so festlegen wollen, ich glaube es ist auch irgendwie eine Wundertüte.

Ottmar Miles-Paul: Sie sind ja im Wissenschaftsbereich tätig, ist der Zusammenschluss mit anderen Behinderten Wissenschaftlern hilfreich?
Dr. Volker van der Locht: Ja, ich denke schon, dass in dem normalen Wissenschaftsbetrieb vieles nicht berücksichtigt wird, was von behinderten Wissenschaftlern angesprochen wird. Ich kann das an einem Beispiel aus meinem Bereich deutlich machen. Ich wollte auch etwas zu eigenständigen Handlungsperspektiven behinderter Menschen im Nationalsozialismus machen. Normalerweise denkt man, das seien immer nur passive Opfer. Aber ich denke auch im Scheitern, sag ich mal, auch wenn sie sterilisiert oder ermordet wurden, hatten sie doch so lange sie lebten eine Handlungsperspektive in ihren Möglichkeiten. Ich finde, dass das z.B. überhaupt nicht berücksichtigt wird im normalen Wissenschaftsbetrieb.

Ottmar Miles-Paul: Tut man sich schwer, derartige Themen an den Unis durchzusetzen und entsprechend darüber zu forschen?
Dr. Volker van der Locht: Ja, es wird nicht ernst genommen, das heißt, es gibt da auch nicht die entsprechenden Anträge , die man gerne hätte, Stipendien oder Forschungsmittel bekommt man dann einfach nicht durch.

Ottmar Miles-Paul: Wie lange werden Sie an der Sommeruni sein?
Dr. Volker van der Locht: Ich werde leider nur jetzt am Wochenende bei der Kulturwissenschaftlichen Tagung und in der kommenden Woche hier sein.

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19.07.2003 - Dinah Radtke:

Dinah Radtke als zweite von links bei der Übersetzung des Beitrags von Dr. Mark PriesleyDie Sommeruni ist ganz toll. Ich finde es toll, dass wir die Disability Studies jetzt in Deutschland haben und das wir viele neue Ideen entwickeln und diese auch umsetzen können, und dass Disability Studies ein fester Bestandteil des Lehrprogramms an den Universitäten wird, aber auch, dass Behinderte sich selbst in diesem Bereich fortbilden können. Ich meine wir haben ja schon einen eigenen Bereich, eine eigene Ausbildung .Also ich finde es ganz aufregend und ganz toll und ich freue mich riesig, dass das stattfindet. Dabei ist die Kulturwissenschaftliche Tagung für mich ganz wichtig

Bild: Dinah Radtke als zweite von links bei der Übersetzung des Beitrags von Dr. Mark Priesley

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19.07.2003 - Interview mit Hannes Messerschmid

Hannes Messerschmid in seinem LiegerollstuhlOttmar Miles-Paul: Sie kommen aus München - warum macht man einen so langen Weg mitten im Sommer in der Urlaubszeit?
Hannes Messerschmid: Ich habe das Programm der Sommeruni gesehen und die verschiedenen Denkansätze die da vorgetragen werden, und die haben mich sehr interessiert, da ich an dem kulturellen Bild der Behinderten viel zu arbeiten sehe .

Ottmar Miles-Paul: Sie sind ja schon langjährig aktiv, glauben Sie hier noch etwas Neues finden zu können?
Hannes Messerschmid: Das hoffe ich. Ich bin ein starker Vertreter dessen, dass das Bild von Behinderung und von behinderten Menschen mal ganz neu als gesellschaftliche Funktion gefragt wird, und da hoffe ich, dass erste Ansätze weiter voran getrieben werden.

Bild: Hannes Messerschmid in seinem Liegerollstuhl

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19.07.2003 - Michael Eggert

Michael EggertIch finde es hier bei der Sommeruni und der kulturwissenschaftlichen Tagung eigentlich ganz interessant, bloß hätte ich mich vielleicht mit den Papieren vorher beschäftigen müssen, damit ich nicht Verständnisfragen und Diskussionen innerhalb von zehn Minuten klären muss. Es ist also bei der kulturwissenschaftlichen Tagung ein bisschen zu sehr gedrängt. Das würde ich als einen wichtigen Kritikpunkt nennen.

Theresia Degener hat es ja gestern geschafft, ihren Vortrag in leichterer Sprache zu halten. Das hat sie sehr gut gebracht. Inhaltliche Sachen hat sie so rübergebracht, das sie trotzdem jeder verstanden hat. Und ich finde leichtere Sprache ist auch eine wichtige Sache, die sich die Universität aneignen muss.

Bild: Michael Eggert

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20.07.2003 - Interview mit Viola Melzer

Viola MelzerOttmar Miles-Paul: Disability Studies wird hier heiß diskutiert, was ist für Sie dabei wichtig?
Viola Melzer: Das die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die sich mit Disability Studies beschäftigen, auch einen Austausch anbieten für die Menschen, die sich nicht durchgängig im Wissenschaftsbetrieb aufhalten.

Ottmar Miles-Paul: Welche Themen würden Sie gerne in diese Diskussion einbringen? Was ist für Sie wichtig?
Viola Melzer: Das die nicht nur über die behinderten Menschen und über die Verwissenschaftlichung der ganzen Theorien sprechen, sondern dass es noch irgendwie transparent bleibt für uns alle.

Bild: Viola Melzer

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19.07.2003 - Martina Puschke

Martina PuschkeDie Disability Studies haben meiner Meinung nach eine große Chance, wenn sie jetzt verwirklicht werden würden, nämlich mit der Praxis zusammen zu gehen. Ich habe aber die Befürchtung, dass die Disability Studies, wenn sie in Ihrem Elfenbeinturm der Wissenschaft bleiben, nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen, die möglich wären um Disability Studies in Deutschland zu installieren.

Von daher ist es meiner Ansicht nach notwendig, dass die Disability Studies nicht in ihrem Elfenbeinturm der Wissenschaft bleiben, sondern gemeinsam mit Menschen mit Behinderung aus der Praxis zusammen arbeiten und sich gegenseitig befruchten, so dass daraus ein wirklich gutes Konstrukt wird, um Behinderung neu zu denken.

Bild: Martina Puschke

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20.07.2003 - Georg Gabler

Geirg Gabler und Christa SchlettIch denke, die Disability Studies sind erst einmal ein noch weitgehend unbekannter Ansatz. Bei den Disability Studies wurde aber durch die Tage hier klar, dass das ein Name für etwas ist, das in Deutschland schon seit Jahren praktiziert wird, ohne das es benannt geworden ist. Es ist wichtig, dass wir in die Lage kommen, dies auch auf einem akademischen Level zu einer Stütze zu bringen.

Bild: Geirg Gabler und Christa Schlett

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20.07.2003 - Interview mit Pandelis Chatzegeniou

Pandelis ChatzegeniouOttmar Miles-Paul: Haben Sie das erste Mal mit dem Thema Disability Studies zu tun?
Pandelis Chatzegniou: Ich konnte vorher nicht genau beurteilen, was damit gemeint ist. Ich denke, dass ich jetzt einen kleinen Einblick davon habe, was es bedeutet.

Ottmar Miles-Paul: Und was denken Sie nun nach zwei Tagen Beschäftigung mit dem Thema dazu?
Pandelis Chatzegniou: Der soziale und gesellschaftliche Aspekt von Behinderung muss verändert werden. Gesellschaft sind wir alle, das heißt, es geht hier nicht nur um die Beziehung von Behinderten und Nichtbehinderten, sondern auch um die Beziehung von Behinderten untereinander. Ich habe das schon mal an einem Beispiel klargemacht von den Blinden und den Sehenden. Da wird gesagt, dass der sehende Nichtbehinderte dem Blinden den Weg erklärt, ich denke das könnte genauso gut ein sehender Behinderter sein, der mit Blindheit schlecht umgehen kann. Blindenverbände bauen z.B. auch Barrieren auf, wo Rollstuhlfahrer nicht reinkommen. Ich habe z.B. noch keine Tagung erlebt, auf der ich Tischvorlagen in Blindenschrift bekommen habe.

Bild: Pandelis Chatzegeniou

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20.07.2003 - Volker Hink

Volker HinkIch habe mich ein bisschen mit dem Thema Disability Studies auseinandergesetzt und mit den Ansätzen, die hier einige Leute haben. Ich fand den letzten Beitrag von Frau Waldschmidt auf dem Podium zu der Normalitätsdebatte besonders interessant.

Grundsätzlich waren für mich als Assistent diese Tagung eine neue Erfahrung, da ich noch nie an einer Tagung der Behindertenbewegung teilgenommen habe, jedenfalls nicht in diesem Umfang.

Bild: Volker Hink

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20.07.2003 - Thomas Schmidt

Thomas SchmidtIch nehme viele Erkenntnisse mit nachhause. Über den Zustand und über das womit sich die aktiven Teilnehmer der Krüppelbewegung heute beschäftigen, das sage ich, als jemand der in den letzten Jahren im Grunde nichts mehr macht. Ich bin sehr positiv überrascht über das Niveau und die Qualität der Debatten und über die theoretischen Ansätze, die hier vorgestellt worden sind. Das macht Lust weiter zu arbeiten.

Bild: thomas Schmidt

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20.07.2003 - Brigitte Faber

Brigitte FaberIch finde, dass das die Sommeruni mit der kulturwissenschaftlichen Tagung einen guten Start gehabt hat. Was ich auch noch denke ist, wie bekommen wir noch mehr Austausch hin, zwischen Wissenschaftlern und der Bewegung, so dass da eine gute Verzahnung stattfinden kann. Nicht so, dass die Wissenschaft neue Theorien entwickelt und in der Bewegung nachher gesagt wird, dass man das gerne anders hätte, sondern so, dass da wirklich eine gute Verzahnung stattfindet, das wäre mir sehr wichtig. Man muss ausloten, welche gemeinsamen Ziele man hat. Was ich mir auch noch wünsche, ist, dass ich festgestellt habe, dass teilweise unterschiedliche Theorien da sind, ein soziales Modell, ein kulturhistorisches Modell, und da wünsche ich mir, dass nicht nur die Wissenschaft diskutiert, sondern auch die Bewegung, wo es denn nun hingehen soll, wo es gemeinsam hingehen kann. Und dann wünsche ich mir auch, dass wir bald einmal schauen, wie denn die ersten gemeinsamen Schritte aussehen.

Bild: Brigitte Faber

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20.07.2003 - Christa Schlett

:

Christa Schlett und Georg GablerIch sehe eine spannende Zeit in meinem Kopf. Ich habe hier einiges gelernt, das ich Zuhause weiter ausarbeiten werde. Ich habe eine kleine Kritik zu einigen Gedankenansätzen, die hier zur Sprache kamen. Die Ansätze waren mir zu wissenschaftlich. Einigen anderen Behinderten ging es hier ähnlich. Insgesamt waren es zwei tolle Tage.

Bild: Christa Schlett und Georg Gabler




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21.07.2003 - Petra Groß

Petra GroßAlso ich finde die Sommeruni ganz gut. Ich habe hier heute den ersten Tag am Workshop "Von altem Wein und neuen Wegen der behinderten Frauenbewegung" teilgenommen, bei Martina Puschke und Brigitte Faber. Sie haben das auch ganz toll gemacht und haben das auch geschafft, in leichterer Sprache zu sprechen. Die anderen Personen haben da auch drauf geachtet, manchmal musste ich auch sagen und fragen, was verschiedene Dinge heißen. Sonst sind hier auch nur nette Leute. Ich war auch schon beim Zahnarzt, weil ich Zahnschmerzen bekommen habe und habe hier einen ganz netten gefunden. Ich möchte noch mehr Leute kennen lernen und mehr zu den Frauenthemen erfahren. Wir vom Netzwerk People First machen hier einen Infostand, mit dem wir für eine leichte Sprache werben und führen zwei Veranstaltungen bei der Sommeruni durch.

Bild: Petra Groß

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22.07.2003 - Interview mit Andrea Katemann

Ottmar Miles-Paul: Wie ist es als blinde Frau an der Sommeruni? Kommt man da zurecht?
Andrea Katemann: Ich denke, im Prinzip ja. Was ich persönlich kritisiere, ist die Wegbeschreibung, die wir bekommen haben, vom Bahnhof zur Universität, weil uns da Haltestellenangaben gefehlt haben und auch die Angabe, wie man von der Haltestelle zur Universität kommt, das ist vielleicht etwas untergegangen, vielleicht in dem Bemühen um gute Organisation, denn eigentlich ist es hier sehr gut organisiert. Ich finde, dass man hier auch sehr hilfsbereit und bemüht ist. Immer wenn ich mal nachfrage, dann bekomme ich sehr gute Erklärungen und Anweisungen und man fragt sofort wie und womit man mich unterstützen kann, das finde ich völlig o.k. Ich wünsche mir für das nächste Mal nur eine etwas detailliertere Wegbeschreibung für die Anreise. Ich weiß, dass es über den BVBS eine gab, aber vielleicht könnte man die direkt die andere Wegbeschreibung beifügen.

Ottmar Miles-Paul: Das teilweise recht komplizierte Unigebäude und die Veranstaltungen am Abend, klappt das mit den Transfers?
Andrea Katemann: Das ist. so, dass ich mich natürlich durchfragen muss, aber das muss ich natürlich auf jeder Tagung. Das ist einfach meine Entscheidung, ob ich das so mache oder nicht. Wenn ich mit Assistenz hingehe, dann hätte ich es in dem Punkt wahrscheinlich leichter, andererseits ist es auch so, dass sich die Assistenz nicht wirklich lohnen würde, da ich sie in der Veranstaltung nicht brauchen würde, da sitzt sie nicht neben mir, weil da gehen die Referenten auf meine Bedürfnisse sehr gut ein.

Ottmar Miles-Paul: Was hat sie hierher gelockt?
Andrea Katemann: Ich habe das über die Zeitschrift intern, das ist eine Kassettenzeitschrift des DVBS, erfahren. Ich bin in der Germanistik tätig und schreibe dort zur Zeit meine Doktorarbeit. Ich war besonders an Literatur und kulturwissenschaftlichen Dingen interessiert. Deswegen bin ich auch in dem Workshop "Behinderte und Kunst" und deswegen war ich auf der Fachtagung, weil ich einfach den Eindruck habe, dass sonst das Thema "Kultur und Behinderung" eher noch zu kurz kommt und mir das aber wichtig ist.

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25.07.2003 - Interview mit Ricarda Kluge

Ricarda KlugeOttmar Miles-Paul: Frau Kluge, Sie koordinieren an der Sommeruni im Rahmen Ihres Praktikums den Einsatz der AssistentInnen. Was gibt es hier denn genau zu tun?
Ricarda Kluge: Ich muss im Prinzip den Leuten erzählen, was sie zu tun haben. Ich muss im Blick haben, was gemacht werden muss und muss die Leute beauftragen, dass sie das auch machen und nachher schauen, dass das auch wirklich passiert ist.

Ottmar Miles-Paul: Wenn morgens der Tag an der Sommeruni beginnt, was muss dann getan werden?
Ricarda Kluge: Morgens ist es eigentlich ganz entspannt, weil die Leute mittlerweile eigentlich wissen, was sie zu tun haben. Sie wissen in welche Weitebildung sie gehören und was der Referent oder die Referentin benötigt und suchen sich die Sachen zusammen und gehen inzwischen eigentlich alleine mit.

Ottmar Miles-Paul: Aber das war ja nicht immer so, oder?
Ricarda Kluge: Nee, am Anfang war es ziemlich durcheinander. Am Anfang musste jeder erst rauskriegen, wie seine Aufgaben sind. Man musste halt viel hinterher sein und rauskriegen, was gebraucht wird und wie kommen die Assistenten an die Sachen ran. Man musste auch erst mal Ängste nehmen, viele wussten auch gar nicht, was sie so erwartet. Inzwischen haben sich aber alle ganz gut reingewurstelt.

Ottmar Miles-Paul: Was ist Ihr Resümee nach einer Woche Sommeruni?
Ricarda Kluge: Inhaltlich kann ich da leider gar nicht so viel sagen, weil ich ständig mit der Organisation beschäftigt bin. Ich würde gerne etwas dazu sagen können, denn es interessiert mich sehr, was so läuft. Davon habe ich leider überhaupt nichts mitbekommen. Organisatorisch kann ich sagen, dass es leichter mit der Zeit wird, je länger es läuft.

Ottmar Miles-Paul: Das heißt, wir können jetzt noch fünf Wochen mit der Sommeruni weitermachen?
Ricarda Kluge: Nee, also ich bin froh, wenn die zwei Wochen zu Ende sind, denn ist schon sehr viel Arbeit hier.

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24.07.2003 - Interview mit Bettina Pinter

Bettina PinterOttmar Miles-Paul: Sie sind aus Österreich. Was sagen Sie zur Sommeruni?
Bettina Pinter: Ich finde es total gut, dass es die Sommeruni gibt und für mich ist es sehr interessant. Ich lerne neue Leute kennen. Ich treffe hier sowohl auf Wissenschaftler, als auch auf Leute aus der Praxis. Ich treffe hier auch auf eine Peergroup und das finde ich total gut, denn das sind Menschen mit verschiedenen Behinderungsarten und gerade dieses nebeneinander, oder zusammen arbeiten, das finde ich total gut.

>Ottmar Miles-Paul: Und wann können wir zu einer Sommeruni nach Österreich kommen?
Bettina Pinter: Also schön wäre es, aber ich bezweifle, dass es so etwas bei uns überhaupt geben wird. Ich habe hier gemerkt, dass Österreich bei den Disability Studies noch sehr stark hinterher hinkt. Ich habe heute mit einer Kollegin aus Deutschland gesprochen und da ist mir eben aufgefallen, dass es sehr viele Wissenschaftler mit Behinderung in deutschen Unis gibt. In Österreich kenne ich genau einen Pädagogen aus Innsbruck, der im Rolli sitzt, und der auch nächste Woche hier ist. Aber ich kenne sonst niemanden, der sich mit diesem Themengebiet beschäftigt, der selbst eine Behinderung hat oder eine chronische Erkrankung - o.k., chronische Erkrankung kann ich nicht feststellen -, aber eine sichtbare Behinderung hat. Und das finde ich ein großes Manko für Österreich.

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24.07.2003 - Interview mit Horst Frehe

Horst FreheOttmar Miles-Paul: Die Sommeruni hat jetzt fast Halbzeit. Was sind Ihre Eindrücke von der ersten Woche?
Horst Frehe: Ich war schon von der Kulturwissenschaftlichen Tagung begeistert und auch erstaunt über die Vielfalt der Themen und auch der Spezialthemen. Besonders begeistert hat mich zum Beisiel die Beschäftigung mit "Narren im Mittelalter". Dass das ein behindertenpolitisches Thema sein kann, kommt einem nicht ohne Weiteres in den Sinn, aber es gibt ganz interessante und spannende Parallelen.
Die Sommeruniversität danach, lief meines Erachtens hervorragend weiter, weil auch die Vormittagsschulungen sehr intensiv und tragreich sind und auch die Veranstaltungen am Nachmittag sehr bunt und sehr unterschiedlich sind. Das finde ich sehr spannend.

Ottmar Miles-Paul: Sie haben hier ja eine Doppelrolle. Einerseits haben Sie als Leiter der Koordinierungsstelle für das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen die Sache hier mit unterstützt und angeschoben. Andererseits sind Sie sehr mit eingespannt an der Sommeruni. Was waren denn Ihre Erwartungen am Anfang, als das Projekt letztendlich wuchs und entstand?
Horst Frehe: Die Erwartung war eine, die sich auch voll erfüllt hat. Nämlich die, dass sehr viele behinderte Menschen zusammen kommen und genügend Raum und Zeit haben, miteinander zu diskutieren und auch Erfahrungen auszutauschen und an bestimmten Gegenständen weiter zu diskutieren und auch zu überlegen, wie man bestimmte Diskussionsstränge weiterentwickeln kann und das scheint sich auch zu erfüllen. Die Sommeruni bietet die Chance, sich länger mit einem Thema zu beschäftigen, mit den gleichen Leuten, die den Gesprächsfaden auch zu unterschiedlichen Themenbereichen wieder aufziehen und auch voneinander, in den Pausen, zu erfahren, wie es in den anderen Städten aussieht und wie da die Erfahrungen sind.

Ottmar Miles-Paul: Sie haben von den Narren im Mittelalter gesprochen. Das war die Beschäftigung mit der Vergangenheit. Was könnte Ihrer Meinung nach aus der Sommeruni wachsen? Es wurde über Disability Studies geredet, wo sehen sie Perspektiven für die Zukunft?
Horst Frehe: Es ist deutlich geworden, auch durch die Zahl der Teilnehmer, dass ein Diskussionsforum eröffnet werden muss, in dem bestimmte Diskussionsrichtungen weiterentwickelt werden müssen, in dem auch wissenschaftliche Fragen weiterentwickelt werden müssen und es dafür ein Netzwerk geben muss. Das kann so aussehen, dass sich an den Hochschulen Lehrstühle etablieren und dass die Menschen, die auf den Lehrstühlen sitzen, dann auch miteinander Kontakt haben. Auch die Sommeruni wäre ein hervorragendes Forum, wenn man versuchen würde, sie in den nächsten Jahren zu wiederholen und in den nächsten Jahren solche Zusammenkünfte haben könnte, um solche Diskussionen weiterzuführen. Ich denke, dass die Wissenschaft aus Sicht Behinderter, die Fortbildung für uns Betroffene und schließlich der Kontakt von Aktivisten zusammen kommen und weitergeführt werden müssen. Schön wäre es, wie gesagt, wenn man den Rahmen für weitere Sommeruniversitäten organisieren könnte.

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21.07.2003 - Dörthe Gregorschewski

Dörthe GregorschewskiBei der Hitze qualmen die Köpfe hier ganz schön. Zur Zeit bin ich in einem Workshop, den ich mir etwas anders vorgestellt habe. Es ist eine richtige Selbsterfahrungsgruppe geworden. Der Workshop heißt: Therapie - zwischen Wegmachen des Anders-Seins und Gewinn an Lebensqualität.

Es ist sehr spannend und ich bin gespannt auf das Ende. Wir haben gerade eine kurze Pause. Es geht noch eine Stunde weiter, mal gucken, zu welchem Ergebnis wir kommen.

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21.07.2003 - Katharina Schröter

Katharina SchröterIch bin unheimlich froh und finde es ganz toll, was für Diskussionen geführt werden und zu was für Ergebnissen wir kommen und das auch mal mehr Zeit vorhanden ist über etwas zu diskutieren. Einfach ein paar Sachen innerhalb von einer ganzen Woche ansprechen. Bei jeweils drei Stunden pro Vormittag ist ja auch einfach mehr Zeit als bei nur einem Tag in der Woche. Ich finde es schon sehr gut, dass ein Thema über fünf Tage gezogen ist. Die Gruppe von Martina Puschke und Brigitte Faber. "Von altem Wein und neuer behinderter Frauenbewegung" finde ich besonders gut.

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23.07.2003 - Interview mit Gerlef Gleiss

Gerlef Gleiss in der Diskussion mit der GruppeOttmar Miles-Paul: Das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen hat seine Halbzeit schon überschritten, was bleibt für Sie davon hängen?
Gerlef Gleiss: Das kann ich leicht beantworten. Also hängen bleibt mit Sicherheit nur die Sommeruni, die bifos organisiert hat. Das ist eine tolle Angelegenheit, inhaltlich, aber auch, dass es gelungen ist, viele behinderte Menschen zusammen zu kriegen, die eigentlich mit der Selbstbestimmt Leben Bewegung relativ wenig Berührung bisher hatten. Und das bleibt hängen, alles andere waren wirklich Veranstaltungen, die bei mir nichts bewirkt haben.

Ottmar Miles-Paul: Was haben Sie denn politisch vom Europäischen Jahr erwartet, bzw. was hätten Sie es gerne?
Gerlef Gleiss: Es gibt ja ganz drängende Probleme. Zu aller erst genannt, die Absicherung der Assistenz von Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind. Und das auf allen Ebenen versucht wird, das Recht auf eine angemessene Assistenz zu beschneiden. Die Gelder werden nicht mehr zur Verfügung gestellt und das betrifft alle behinderten Menschen, ob die nun geistig behindert, lernbehindert oder körperbehinderte Menschen sind, da hätte ich mir natürlich gewünscht, dass da etwas passiert. Das irgendwelche Wege aufgezeigt werden, wie man da hin kommt. Das ist eine ganz dringende Aufgabe, die vor uns liegt

.

Ottmar Miles-Paul: Jetzt haben wir ja die Diskussion über die Situation von Behinderten, die in Institutionen leben müssen. Von denen sind ja nur sehr wenige da. Was erhoffen Sie sich denn von der Bewegung, aber auch von Leuten, die in Parlamente gehen, wie z.B. Andreas Jürgens?
Gerlef Gleiss: Ich bin kein Freund von der Arbeit in den gegenwärtigen Parlamenten. Ich merke, dass die Menschen, die dort gearbeitet haben, nicht die Parlamente verändert haben, sondern die Parlamente die Menschen. Die Parlamente haben Andreas Jürgens verändert oder Horst Frehe, oder wie sie auch alle heißen. Also Andreas Jürgens redet ja im Grunde genau so, wie alle anderen in der Sozialpolitik Verantwortlichen. Ich habe ihn erlebt auf einer Tagung in Mainz zum Thema "Persönliche Assistenz", da wurden eben Vorschläge gemacht und das erste, was Andreas Jürgens sagte, war: " Oh, da muss ich aber erst mal genau durchrechnen, ob sich das rechnet." Das heißt, also auch Andres Jürgens hat die Haushaltskonsolidierung im Kopf, so wie alle anderen auch und nicht in erster Linie erst mal die Bedürfnisse und die Ziele der behinderten Menschen. Meine Aufgabe, ich habe ja auch schon seit vielen Jahren eine selbstbestimmtes Leben Beratungsstelle in Hamburg, meine Aufgabe sehe ich darin, die Menschen zu ermutigen und zu stärken, sich für diese Ziele einzusetzen und diese Ziele erst mal zu finden und zu formulieren. Das ist bestimmt eine sehr langfristig angelegte Politik, aber ich halte sie für erfolgsversprechender, als jetzt in die Parlamente hinein zu gehen.

Ottmar Miles-Paul: Wenn Sie jetzt einen Wunsch oder eine Veranstaltung frei hätten, für das Europäische Jahr, was würden Sie wählen?
Gerlef Gleiss: Eigentlich hätte ich zwei Wünsche. Ich hätte auf alle Fälle eine Veranstaltung, die die Lebenswirklichkeit der geistig- und mehrfachbehinderten Menschen in Flächenbundesländern, die auch noch zu 70, 80, 90% in großen Komplexeinrichtungen leben, die einer ganz großen Bedrohung ausgesetzt sind, nämlich dass die Eingliederungshilfe abgebaut werden soll und dass sie alle zu Pflegefällen erklärt werden sollen, das hätte ich gerne bundesweit zum Thema gemacht. Eine ganz große Veranstaltung, von allen großen Trägern. Und das zweite ist eine ähnlich große Veranstaltung, aber die weit über die Behindertenverbände und -organisationen hinausgehen müsste, zum Thema Bioethik.

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30.07.03 - Interview mit Katja Breitfuß

Katja BreitfußOttmar Miles-Paul: Sie nehmen an der Weiterbildung "Angstabwehr und die Produktion von Behinderung" mit Prof. Dr. Volker Schönwiese aus Österreich teil. Wie ist die Weiterbildung bisher?
Katja Breitfuß: Ich finde sie ungemein spannend. Ich kann wirklich wahnsinnig viel lernen. Wir haben uns bis jetzt sehr viel mit der Geschichte der Behinderten befasst. Also ihr Verhältnis zur Nichtbehindertenwelt, bzw. wie die Nichtbehindertenwelt sie ansieht, wie sie sie definiert, betrachtet und das ist sehr erschreckend.

Ottmar Miles-Paul: Was ist dabei besonders bei Ihnen hängen geblieben?
Katja Breitfuß: Wie Behinderte klassifiziert wurden, wie die Gesellschaft Behinderte so dermaßen degradiert hat, dass man sie mit Pflanzen vergleicht und damit auf eine Stufe stellt.

Ottmar Miles-Paul: Sie sind den langen Weg aus Erlangen hier her gekommen, was hat Sie besonders zur Sommeruni gezogen?
Katja Breitfuß: Mal wieder mit Leuten zusammen zu sein, die aus der Selbstbestimmt Leben Bewegung kommen, alte und neue Gesichter zu sehen, Austausch, Wissen das ich habe zu erweitern, Lücken zu füllen und meine Freundin Rebecca, die hier wohnt.

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29.07.2003 - Interview mit Cassandra Rohm

Cassandra Ruhm mit ihrem HandbikeOttmar Miles-Paul: Fast 1 1/2 Wochen Sommeruni sind vorbei, was haben Sie bisher an der Sommeruni mitgemacht?
Cassandra Ruhm: Ich habe die Wochenenden mitgemacht. Ich fand sehr auffallend, dass es so ein großer Kontrast war, zwischen unheimlich kompliziert geredeten Vorträgen, wie zum Beispiel bei Anja Tervooren, wo die Inhalte bestimmt gut waren, wenn für Leute aus der Szene nicht neu, aber bestimmt gut, aber kaum verständlich. Und Sachen, wo es manchmal viel weniger vorbereitet war und sehr offen. Das fand ich, war ein unheimliches Spektrum. Und ich finde es erstaunlich, dass ganz viele da sind, die ich nicht kenne, die nicht aus der Szene sind, sonst nicht so auftauchen. Ich habe das Gefühl, der Nachwuchs ist ganz anders, als wir vorher.

Ottmar Miles-Paul: Wie anders?
Cassandra Ruhm: Weniger wütend. Es gibt weniger, gegen das sie sich aufregen und kaum einen politischen Ansatz. Es steht wenig Bewegung dahinter und wenig Kraft. Aber ich war nur selten da. Ich war bei den Wochenenden viel da. Und sonst war ich nur bei einzelnen Veranstaltungen.

Ottmar Miles-Paul: Wenn Sie jetzt eine nächste Sommeruni organisieren müssten, was würden Sie besser machen?
Cassandra Ruhm: Ich habe mich bei der Auswahl der Referentinnen und Referenten gewundert, dass viele, die viele gute Sachen gemacht haben, nicht da sind, obwohl ich gehört habe, dass sie sich beworben haben. Und viele da sind, wo ich das Gefühl hatte, die sind gar nicht so aus den Zusammenhängen raus, obwohl das teilweise sehr gut ist, wenn man sie mit rein nimmt und teilweise hatte ich das Gefühl, na ja, es hätte vielleicht Leute gegeben, die noch bessere Sachen hätten sagen können und es schon länger tun.

Ottmar Miles-Paul: Sie arbeiten in Bremen an der Uni, was machen Sie da genau?
Cassandra Ruhm: Ich mache die Sozialberatung für alle die da arbeiten und Beratung der Universitätsleitung und, und, und.

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30.07.2003 - Interview mit Stefan Göthling

Stefan Göthling mit Ottmar Miles-Paul bei der Übergabe eines Geschenks für leichte Sprache an Theresia DegenerOttmar Miles-Paul: Was sind Ihre Eindrücke von der Sommeruni?
Stefan Göthling: Es ist für mich mal ganz anders, auch mal an Veranstaltungen teilzunehmen, um wieder Neues zu lernen, um auch sich selber wieder neu zu orientieren, um in das Alltagsgeschäft wieder neue Ideen hinein zu bringen.

Ottmar Miles-Paul: Welche Anregungen nehmen Sie bisher mit nach Hause?
Stefan Göthling: Ich schaue mir von den Veranstaltungen, an denen ich teilnehme, andere Moderationstechniken ab oder andere Gliederungen, um wiederum meine Sachen zu verbessern und zu verändern.

Ottmar Miles-Paul: Die Ideen von People First und das Thema leichte Sprache ist hier ja ein echtes Thema. Haben Sie als Geschäftsführer des Netzwerk People First Deutschland das Gefühl, dass sich da etwas bewegt?
Stefan Göthling: Da bewegt sich auf jeden Fall etwas und wenn man nur die Eröffnungsrede nimmt. Eine Frau, die eigentlich Jura macht, macht ihre Rede in leichter Sprache. Da bewegt sich was, da ist ein großer Stein ins Rollen gekommen.

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30.07.2003 - Interview mit Andreas Öchsner

Andreas ÖchsnerOttmar Miles-Paul: Welche Weiterbildung besuchen Sie während der Sommeruni?
Andreas Öchsner: Ich mache bei der Weiterbildung zur Persönlichen Zukunftsplanung mit.

Ottmar Miles-Paul: Wie ist ihr Eindruck von dieser Weiterbildung nach drei Tagen, was bleibt da hängen?
Andreas Öchsner: Das ist ein sehr interessanter Ansatz. Das ist eine Methode für Menschen, die sich nicht so gut entwickeln können. Und das finde ich total entspannend. Ich hoffe, dass das immer mehr greift und dass auch immer mehr Leute das anbieten.

Ottmar Miles-Paul: Gibt es so etwas ähnliches schon in Österreich?
Andreas Öchsner: Nein, soviel ich weiß, haben wir in Österreich gerade vom Namen gehört. Es wird nichts in der Praxis umgesetzt. Vor allem wenn man das richtig umsetzt, heißt das, dass vorher ein Paradigmenwechsel stattfinden musste. D.h., dass man, wenn man in ein Verfahren hinein geht, bereit ist, nicht mehr defizitär orientiert zu denken und auch bereit sein muss das Unmögliche möglich zu machen. Da sind wir in Österreich noch etwas hiervon entfernt.

Ottmar Miles-Paul: Was sind Ihre Eindrücke von der Sommeruni allgemein? Was ist gut, was kann man besser machen?
Andreas Öchsner: Gut ist, dass die Sommeruni mir erst mal ein Gefühl der Stärke gibt und auch Power ausstrahlt und auch ein Bild der Geschlossenheit der Behindertenbewegung widerspiegelt. Bei allen Unterschiedlichkeiten, die es da gibt und auch unterschiedliche Standpunkte, finde ich, dass trotzdem ein Wir- Gefühl vorhanden ist. Das gibt Power und Kraft und so kann Behindertenpolitik Spaß machen. Und ich denke, dass das gut rüber kommt.

Ottmar Miles-Paul: Wenn es in zwei Jahren mal wieder so eine Sommeruni geben würde, was kann man da noch besser machen?
Andreas Öchsner: Ich denke, dass wir auch lernen müssen, wichtige Themen, die wir haben, auch didaktisch besser vorzubereiten, dass wir uns selber ernster nehmen und selber auch sagen, dass wir nicht stehen bleiben dürfen und Workshops auch spannend gestalten. Ich habe einen Workshop besucht, "Persönliche Zukunftsplanung", der von der Didaktik und vom Inhalt sehr gut vorbereitet war, wo auch die verschiedenen Bedürfnisse beachtet werden und einfach eingebaut werden in den Workshop. Von Kollegen habe ich erfahren, dass es leider in anderen Workshops nicht so der Fall ist, dass dort die Sachen nach einem Konzept vorgetragen werden, das nicht so spannend ist.

Ottmar Miles-Paul: Sie sind mit Ihrem ganzen Team vom Zentrum für Kompetenzen aus Wien gekommen?
Andreas Öchsner: Ja, das Zentrum für Kompetenzen ist eine Beratungsstelle für behinderte Menschen in Wien. Zwei Jahre ist sie alt und wir richten uns an behinderte Menschen, auch an Leute mit einer Lernbehinderung, das wird auch angenommen und wer mehr wissen will, www.zfk.at.

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Gisela Hermes, Swantje Köbsell und Ottmar Miles-Paul
für das Vorbereitungsteam

ottmar.miles-paul@bifos.de


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